Samstag, 12. Januar 2008

Einflussfaktoren reviewed...

mir ist aufgefallen, dass das Balkendiagramm mit den Einflussfaktoren schon seit gut 3 Monaten nicht mehr aktualisiert wurde.
Dies will ich nachholen und gleichzeitig auch anmerken, dass es nicht mehr kurz- sondern mittelfristige Einflussgrössen sind, welche zu überwachen sind.


Sentiment:
  • Finanzmärkte erwarten eine deutliche Zinssenkung noch VOR dem regulären FOMC Entscheid vom 31. Januar. Lippenbekenntnisse seitens Fed enttäuschen hingegen.
  • Ganz generall muss man festhalten, dass die Stimmung - auch im historischen Vergleich - an den Finanzmärkten derzeit ziemlich mies ist. Was - isoliert betrachtet - Grund für eine baldige mittelfristige Bodenfindung wäre. (Aber eben nur isoliert betrachtet)
Fed:
  • Eine ausserterminliche Zinssenkung ist in Anbetracht der prekären Situation an den Finanzmärkten praktisch sicher - zusätzlich zu einer Zinssenkung am regulären FOMC Meeting. Insgesamt ist bis und mit Ende Januar mit einer Reduktion der Leitzinsen von 75-100 Basispunkten zu rechnen.
Macro:
  • Niemand bezweifelt mehr, dass die Subprime-Krise negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben wird. Nachwievor geht der Grossteil der Anleger jedoch davon aus, dass es zu einer Wachstumsabschwächung und keiner Rezession kommen wird.
  • Man geht in weiten Teilen von einer Entkopplung der Globalen Wirtschaft von den USA aus. (illusorisch)
  • Inflation wird verstärkt zu einem Problem. Die Inflationserwartungen bleiben vorerst noch einigermassen gut verankert.
Corporate:
  • Gewinnwachstum war schon im 3. Quartal negativ. Eine Beschleunigung des Abwärtsmomentums im 4. Quartal ist zu erwarten. Insgesamt dürfte aber auch im letzten Quartal des vergangenen Jahres im Durchschnitt noch ein Gewinn erzielt worden sein.
  • Die Erwartungen des Marktes dürften in dieser Earnings-Season - auch auf dem derzeitigen Bewertungsniveaus - tendenziell zu hoch liegen.
  • Verhältnis zwischen Verschuldung und Eigenkapital wird zum allgemeinen Problem. (siehe Liquidität)
Technik:
  • Kurzfristig stark überverkauft. Extrem anfällig auf temporäre, starke Erholungen - auch scheinbar nebensächlichen Hoffungsmomenten.
  • Mittel- bis langfristig ist der Aufwärtstrend nachwievor intakt. Die meisten Leitindices korrigierten bis anhin zw. 10-20%, was bei weitem noch keine Baisse ausmacht. Eine Trendumkehr auch im langfristigen Kontext scheint jedoch in diesen Wochen ihre Bestätigung zu finden.
Liquidity:
  • Minsky-Moment liegt weit hinter uns. Die Kreditkrise entfaltet sich nun zunehmend in den oberen Reihen der Kredit-Geber/Nehmer-Kette. Ich erwarte bis und mit zweites Quartal '08 erste Zahlungsrückstände bei den grössten Schuldnern (Dimension von: MBIA, Fannie Mae, Bank Of America, etc) im privaten und staatsnahen Bereichen. Bailing-Outs im Privaten Sektor à la Bank Of America (Countrywide) dürften als Alternative (bzw. Hinauszögern) zum Konkurs Schule machen. Die Bonitätsrisiken verschieben sich entsprechend nach oben.
  • TED-Spread ist kleiner geworden, jedoch bei weitem noch nicht normalisiert.
  • Spreads zwischen Unternehmens- und Staats-Anleihen nehmen aufgrund steigender Kreditausfahlsrisiken hingegen ungebremst zu.
Devisen:
  • Das Momentum der Bonitätserosion (siehe Liquidität & Macro) der Vereinigten Staaten im Vergleich zum Rest der Welt lässt nachwievor vermuten, dass der Dollar handelsgewichtet neue Tiefststände erreichen dürfte.

Mittwoch, 9. Januar 2008

Und wieder Alcoa..

Zum dritten Mal seit Eröffnung dieses Blogs kommt es zum Startschuss der Earning-Season.
Im Juli und September nahm das Momentum der Erwartungsenttäuschung jeweils zu.

Meine Meinung ist, dass die Märkte Zahlen von ca. 28-30 Cents pro Aktie antizipieren.

Sollte das Ergebnis in der Region von 25 Cents oder darunter zu liegen kommen, ist mit einer Beschleunigung des Abwärtstrends im S&P500 Index¨zu rechnen.

Dieser allfällige nachbörsliche Taucher der US-Futures könnte sehr schlimmes bzw. die Fed auf den Plan rufen.
Für mich würde dies für morgen eine temporäre Flat-Positionierung in den Aktienindices bedeuten.

Da eine allfällige Zinssenkung vor Eröffnung der US-Märkte morgen gesprochen würde, schliesse ich meine Shortposition im S&P500 heute Abend (im SMI morgen Mittag), in Antizipation einer Umkehr bis morgen Nachmittag.

Sollte es anders kommen als gedacht, würde ich voraussichtlich morgen Abend die Shortposition wieder etablieren.

/edit1: 21:50 In Anbetracht des aktuellen Intraday-Upmoves gehe ich davon aus, dass eine temporäre Flat-Positionierung auch im S&P500 kaum lohnenswert wäre - auch dann, wenn die Fed eine Zinssenkung durchführen sollte.

/edit2: 22:26 Zahlen waren über den Erwartungen. Insofern relativiert sich die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Intervention erheblich - was vorläufig heisst, dass die Shortposition beibehalten wird. Sie wackelt jedoch.

Dienstag, 8. Januar 2008

Die Machart des Selloffs

Die Reaktion auf die Countrywide-Bankrott-Gerüchte zeigen, wie weit die Märkte von einer Einpreisung der anstehenden Entwicklung entfernt sind.
Konstante US-Anleihekurse trotz einbrechenden Aktienkursen deuten darauf hin, dass die Flucht in Qualität durch Bonitätsrisiken überkompensiert wird.

Erst wenn die Märkte den "Worst-Case" vorwegnehmen nachdem er eingetroffen ist, wird es wieder nachhaltig aufwärts gehen.

Geht man davon aus, dass Kreditgeber wie Fannie Mae und Freddie Mac durch ihre staatlich garantierte Risikofreiheit Schuldner mit weitaus schwächerer Bonität in ihren Portfolios halten können, als die vollprivate Countrywide, kann man mit ein wenig Zweckrealismus den Worstcase durchaus antizipieren.


Meiner Meinung nach werden noch einige grosse Kredit- und Finanzinstitute bankrott gehen. Es ist zudem kaum anzunehmen, dass die USA mehr als ein Plazebo-Bailing-Out finanzieren können.


Wieder zurück zum kurzfristigen Kontext...

Die Fed wird wohl bis zum Ende der Woche - Inflation hin oder her - die Leitzinsen ausserterminlich senken müssen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob angesichts dessen die Shortposition belassen werden sollte.