Freitag, 10. August 2007

Erneuter Rebound?

Nachdem Gerüchte über eine Schieflage eines Goldman Sachs Hedge Funds aufkamen, und Countrywide über Liquiditätsprobleme berichtet hat, scheinen die Anzeichen für eine Fortsetzung des gestrigen Selloffs relativ deutlich zu sein.

Das Mass an Pessimismus und Vorsicht im Markt ist erheblich.
Betrachtet man jedoch die Leitbörsen, scheint die Kreditkrise mehr oder weniger spurlos an den Aktienmärkten vorüber zu gehen.

Es muss angenommen werden, dass ohne die interventionistischen Stützungsaktionen der Zentralbanken die Märkte einiges deutlicher im Minus wären.

Ganz offenbar ist das Kreditsystem derart aus den Rudern geraten, dass eine normale Korrektur oder Konsolidierung an den Aktienmärkten von 10-20 Prozent nicht mehr verkraftbar ist ohne das System zu gefährden.

Es sind meiner Meinung nach nun zwei Szenarien denkbar für den weiteren kurz- bis mittelfristigen Verlauf...

1) Die Notenbanken buttern weitere Liquidität in die Finanzmärkte und seitens Unternehmen flauen die Hiobsbotschaften ab. Folglich würden die Märkte dank der vorhandenen Liquidität und ausbleibenden Störfeuern relativ rasch neue Höchststände erreichen. In der Folge würde die Verwundbarkeit und Labilität der Märkte verstärkt begünstigt, bzw. das Kernproblem weiter hinausgeschoben. Dies deshalb, weil mit dem bedingungslosen Öffnen der Liquiditätsschleusen nur das Symptom der Krise - nämlich die akute Iliquidität bekämpft wird. Das Kernproblem - nämlich massloses Creditspending und Moral Hazard - würde zusätzlich begünstigt.


2) Eine Verschärfung und Ausweitung lässt sich nicht verhindern. Die Märkte können auf "sanftem" Weg implodieren, bzw. ein Schock wird durch die Zentral/Geschäftsbanken stützend verhindert. Das Abgleiten der Wirtschaft in eine Rezession ist jedoch unvermeidbar.


Persönlich möchte ich mich noch nicht festlegen für eines der beiden obigen Szenarien. Gemessen an den Zuschüssen im Repogeschäft, müssten die führenden Geschäftsbanken über immense Mittel verfügen, welche im Extremfall zur Stützung der Märkte verwendet werden kann.
Ich glaube deshalb, dass ein weiteres Abgleiten der Aktienmärkte davon abhängig ist, wie sich die Nachrichtenseite entwickelt.

Sollte es im weiteren Verlauf täglich zu weiteren Offenbarungen illiquider Firmen und Hedgefonds kommen, werden selbst Offenmarkt-Stützaktionen die Märkte nicht am korrigieren hindern können.

Bleiben jedoch Hiobsbotschaften auch nur einen Tag aus, sind kräftige Rebounds - vorallem in Finanztiteln - vorprogrammiert.


Für den Moment kann man Short bleiben. Je nach Entwicklung der US-Börsen sollte man sich im späteren Nachmittag jedoch überlegen wieder Flat zu gehen. Und allenfalls den Beginn der nächsten Woche für eine Neupositionnierung abwarten.